Der Bundesverband New Work weist den Vorschlag des CDU-Wirtschaftsflügels, den Rechtsanspruch auf Teilzeit einzuschränken, entschieden zurück.
„Teilzeit ist kein Lifestyle, sondern für Millionen Menschen Voraussetzung, um überhaupt erwerbstätig zu sein. Wer diese Flexibilität beschneidet, sorgt nicht für mehr Arbeitsleistung, sondern für den Rückzug qualifizierter Fachkräfte“, erklärt Barbara Blenski, Präsidentin des Bundesverbands New Work.
Besonders kritisch bewertet sie den Begriff „Lifestyle-Teilzeit“. Dieser sei kulturell toxisch und ein sicheres Indiz dafür, dass die Autoren des Antrags moderne Arbeitsrealitäten verkennen. „Wer Vereinbarkeit, Selbstbestimmung und lebensphasenorientierte Arbeit als Lifestyle abwertet, will die Arbeitswelt faktisch auf den Stand überholter Arbeitsmodelle zurückdrehen.“
Zugleich beruhe der Vorstoß auf einem grundlegenden Kausalitätsfehler: Nicht der Rechtsanspruch auf Teilzeit erzeugt den Erwerbstätigen Mangel, vielmehr reagieren Beschäftigte mit Teilzeit auf fehlende Kinderbetreuung, Pflegeverantwortung und hohe Belastungen. Wer das Recht beschneidet, beseitigt nicht die Ursachen, sondern verschärft das Problem.
Darüber hinaus ermöglicht Teilzeit vielen Gründerinnen und Gründern überhaupt erst unternehmerisches Handeln: Zahlreiche Start-up-Gründer arbeiten bewusst in Teilzeit für etablierte Unternehmen, um die finanzielle Basis für den Aufbau ihres eigenen Geschäfts zu schaffen. Wer diese Modelle erschwert, schwächt Innovation, Unternehmertum und Zukunftsfähigkeit des Standorts Deutschland.
Statt Arbeitszeiten zu verordnen, sollte sich die Politik fragen, welches Produktivitätspotenzial in verschlankten Prozessen, moderner Organisation und besserer Zusammenarbeit steckt und wie viel besser wir aus der Krise kämen, wenn Menschen nicht 40 Stunden absitzen müssten, sondern in dieser Zeit wirksamer arbeiten könnten.
Gerade in Zeiten des Fachkräftemangels brauche Deutschland moderne, flexible Arbeitsmodelle statt einer Rückkehr zu starren Vollzeitnormen. Produktivität entstehe durch Motivation, Vertrauen und Gestaltungsspielräume, nicht durch Zwang. Der Verband fordert die Politik auf, stattdessen in Kinderbetreuung, Pflegeinfrastruktur, Weiterbildung und flexible Übergänge zwischen Teil- und Vollzeit zu investieren.
„New Work baut auf Selbstbestimmung, Vertrauen und Wirkung, der CDU-Vorschlag setzt auf Kontrolle, Rechtfertigungspflicht und Stundenlogik. Das ist kein Beitrag zur Zukunft der Arbeit, sondern der Versuch, ein strukturelles Zukunftsproblem mit den Mitteln der Vergangenheit zu lösen, das ist kein Aufbruch, das ist Rückschritt.“
